Eine alte Dame
Sie sitzt im Park
Sie sieht eine Gruppe Jugendlicher
Sie rauchen
Sie hören Musik
Sie fühlen sich wie die Grössten
Sie versuchen, ihren Problemen zu Hause und in der Schule zu entfliehen
Sie versuchen herauszufinden, was sie aus ihrem Leben machen wollen
Eine alte Dame
Sie sitzt im Park
Sie sieht ein Paar
Es streitet sich
Es schreit sich an
Sie weint
Sie kehren sich den Rücken zu
Sie stehen auf und gehen in entgegengesetzte Richtungen
Eine alte Dame
Sie sitzt im Park
Sie sieht die Businessleute in ihren teuren Anzügen
Sie sitzen mit ihren Fertigsandwiches auf den Bänken, einer gestresster als der andere
Sie haben keine Zeit
Sie müssen wieder ins Büro
Sie müssen weiter ihrer Arbeit nachgehen
Eine alte Dame
Sie sitzt im Park
Sie sieht eine Mutter mit ihren drei kleinen Kindern
Sie hat es schwer
Sie weiss nicht, wie sie diese drei Mäuler stopfen soll
Alle drei schreien sie
Der eine zappelt im Kinderwagen
Die eine zieht an ihrer Hand
Und der dritte träumt vor sich hin
Sie weiss nicht weiter
Sie weiss nur, dass diese drei ihr einziger Lichtblick sind
Eine alte Dame
Sie sitzt im Park
Sie beobachtet all diese Leute
Und als sie dies tut, denkt sie
Es war doch alles vergebens
All das Gesuche nach dem Weg, den man gehen will
All das Gestreite, nur weil man selbst noch nicht wusste, wer man ist und was man wollte
All die Stunden im Büro
All die Sorgen um die Kinder
Es war doch alles vergebens
Denkt sie
Denn nun sitzt sie hier, Jahre später
Und es war alles vergebens
Ein kleines Mädchen
Sie spielt im Park
Sie lächelt, als die Sonne sie an der Nase kitzelt
Sie öffnet die Augen und sieht einen Schmetterling
Sie hüpft ihm hinterher, bis er in der Blumenwiese verschwindet
Sie kniet sich nieder und pflückt die schönsten, buntesten Blumen, die sie finden kann
Sie schliesst die Augen, atmet tief ein und geniesst den Duft der frischen Blumen, der in ihre kleine Stupsnase strömt
Sie denkt, die werde ich nachher Mama schenken
Sie legt die Blumen sachte nieder, um gleich darauf aufzuspringen und in dem frischen, grünen Gras übermütig herumzutollen
Sie hält inne
Sie lässt sich mit weit ausgebreiteten Armen und Beinen in das frische, grüne Gras fallen und schaut zum Himmel
Sie kneift die Augen zusammen, die Sonne blendet sie
Sie sieht die Wolken vorbeiziehen und denkt sich eine Geschichte zu der Fee und dem Elefanten aus, welche sie da in den Wolken sieht
Sie erwacht aus ihrer Träumerei
Sie hört ihren Namen
Sie denkt, das wird Mama sein
Sie springt auf, holt ihre Blumen und hüpft fröhlich in die Arme ihrer Mutter
Die alte Dame
Sie sitzt noch immer da
Nach all den trüben Gedanken entdeckt sie das Mädchen
Sie beobachtet es
Und mit jeder Minute, die verstreicht, ziehen sich ihre Mundwinkel ein Stückchen weiter nach oben
Als sie das Mädchen nun an der Hand ihrer Mama davonhüpfen sieht, liegt ein zufriedenes Lächeln auf ihrem runzligen Gesicht
Es reicht bis in ihre Augen
Die trüben Gedanken sind vergessen
Da ist nun nur noch ein einziger Gedanke, der ihren Kopf ausfüllt
Und wenn du das siehst, dann kannst du ihr vergeben
Dann kannst du der Welt vergeben, dass am Ende alles scheint vergebens