Che cosa ci rimane

2025

Das, 
was zählt

Nadia Gsell

(la traduzione italiana è riportata sotto)
Ich hatte nicht immer Freude am Schreiben. Schlechte Noten und rote Korrekturen wegen mangelnder Rechtschreibung prägten meine Texte. Und doch waren sie immer da: die Ideen, die Geschichten, die erzählt werden wollten. Alle zwei Wochen schrieben wir in der Schule einen Aufsatz und genau dort begann ich, das Schreiben zu geniessen. Erst im Erwachsenenalter erkannte ich, dass Schreiben für mich ein Hobby sein könnte. Es ordnet meine Gedanken, schafft Klarheit und gibt meinen Gefühlen eine Stimme. Als Autorin verstehe ich mich als jemand, die ihr Inneres öffnet und andere daran teilhaben lässt. Ohne den Anstoss einer Freundin hätte ich wohl nie an einem Wettbewerb teilgenommen. Doch das positive Echo bestärkte mich. Mein letzter Text beschreibt meine innere Zerrissenheit zwischen dem Wunsch nach Leichtigkeit und dem Anspruch an mich selbst, dem Leben gerecht zu werden. Oft schwebe ich ein wenig, zwischen Traum und Wirklichkeit.

Non ho sempre provato piacere nello scrivere. Correzioni in rosso e brutti voti dovuti a errori di ortografia hanno segnato i miei testi. Eppure, le idee, le storie che volevano essere raccontate erano sempre presenti. A scuola, ogni due settimane scrivevamo un tema, ed è stato proprio in quel luogo che ho iniziato a provare piacere nello scrivere. Solo in età adulta ho capito che scrivere poteva diventare un mio hobby. Mette ordine nei pensieri, crea chiarezza e dà voce ai miei sentimenti. Come autrice mi considero una persona che apre il proprio mondo interiore e permette agli altri di parteciparvi. Senza l’incoraggiamento di un’amica probabilmente non avrei mai partecipato a un concorso. Ma il riscontro positivo mi ha dato forza. Il mio ultimo testo descrive un personale conflitto interiore tra il desiderio di leggerezza e la pretesa che ho verso me stessa di essere all’altezza della vita. Spesso mi sento un po’ sospesa tra sogno e realtà.

3. Platz

Video

Stunden um Stunden sitze ich am Schreibtisch,
für Arbeiten, Prüfungen und all die Deadlines, die fertig werden sollten,
nein eher müssen.
Stunden um Stunden arbeite ich in verschiedenen Gewerben,
für Geld, das ich kaum sehe, aber mich irgendwie über Wasser hält.
Stunden um Stunden stehe ich vor einer Klasse,
einer Klasse, die viel lieber woanders wäre,
mit Wünschen, so weit entfernt von diesem Ort …

Tage über Wochen strebe ich einem Ziel nach,
bei der Ankunft: kein Hochgefühl, nur Erschöpfung.
Arbeiten, um zu funktionieren.
Konsumieren, um zu kompensieren.
Optimieren, um zu genügen,
doch nie genug für mich selbst.

All die Mühe, all die Zeit,
und trotzdem verliere ich den Sinn,
in der Suche, im Suchen.
Die Suche nach dem Sinn oder Suche nach dem Grund?

Zeit ist Geld, sagt man.
Also verschwende keine Minute.
Doch wem kommt das eigentlich zugute?

Und was ist mit den Minuten,
die sich nach Leben anfühlen,
aber in keinem Lebenslauf stehen?
Kosten die extra oder gibt es die gratis dazu?
Auf keiner Rechnung finde ich eine Antwort hierzu.

Was uns bleibt, sind dann Diplome, Medaillen und angekreuzte Listen,
doch völlige Unfähigkeit zu leben.
Diplome in der Tasche, aber Löcher im Herzen.
Stolz auf dem Papier, aber Leere im Bauch.

Immer auf der Suche nach dem nächsten Absatz,
anstatt doch einfach mal – im Gegensatz –
den Moment zu genießen,
sich Zeit zu nehmen,
für das Leben an sich,
für dich – aber auch für mich.

Sich mit sich selbst auseinanderzusetzen
und ausnahmsweise nicht zu hetzen.
Nicht immer höher, schneller, weiter.
Sondern einmal: stehen bleiben.
Einmal: durchatmen.
Einmal: nichts „müssen“.

Denn manchmal muss man sich wetzen,
schleifen an sich selbst,
an den Kanten, die weh tun,
an den Narben, die bleiben,
um zu erkennen,
was uns bleibt.

Was uns bleibt,
ist nicht das, was wir besitzen,
sondern das, was uns berührt.
Nicht das, was wir leisten,
sondern das, was uns lebendig macht.
So lebendig, dass Lachen normal ist
und niemand deinen Wert vergisst.

Es sind die Erkenntnisse,
die wir gewinnen,
aus all den Momenten,
denen wir nicht entrinnen.

Es sind unsere Erfahrungen,
unsere Zweifel, unsere Fragen,
die wir manchmal selbst nicht wagen.
Die Antworten, die wir finden,
wenn wir uns mit Menschen verbinden.

Es sind die Gespräche,
die bis tief in die Nacht gehen,
das Weinen, das aus dem Nichts kommt,
so tröstlich und in die Arme nimmt
und das Schweigen, das uns nicht unangenehm stimmt.

Es ist der Moment,
in dem man merkt:
Dass deine Gedanken zwar nur von dir gedacht,
du aber nie allein ein Feuer entfachst.

Was uns bleibt,
sind nicht die Errungenschaften,
nicht die Titel, nicht das Geld,
sondern das,
was uns wirklich hält.

Was uns bleibt,
ist das, was wir uns zurückholen.
Ein Blick, der bleibt.
Eine Umarmung, die wärmt.
Ein Gefühl, das uns durchträgt.
Eine Hand, die uns hält.
Dankbarkeit, die nicht im Winde verweht,
auch wenn alles andere vergeht.

Und vielleicht,
vielleicht ist es gar nicht so wichtig,
wo wir ankommen,
solange wir uns auf dem Weg
nicht selbst verlieren.